Hilfe für Igel
Welcher Igel braucht eigentlich unsere Hilfe?
Hilfsbedürftige Igel dürfen trotz der strengen Schutzbestimmungen vorübergehend in Pflege genommen werden.
Zu den hilfsbedürftigen Igeln gehören:
- kranke Igel
solche Igel erkennt man an seinen trägen Reaktionen und an seiner knochigen Figur.
- verletzte Igel
also Igel mit offenen Wunden, Blut oder Schorf - sie benötigen dringend einen Tieratzt.
- verwaiste Igelsäuglinge
das sind Igelbabys, die tagsüber außerhalb ihres Nests herumliegen oder krabbeln.
Sie benötigen dringend Wärme und professionelle Hilfe bei der Fütterung.
- unselbständige Jungigel
hier sollte man unbedingt zufüttern, bzw. die Kleinen zur Pflege ins Haus nehmen.
Das Aufnehmen von Wildtieren unterliegt strengen naturschutzrechtlichen Bestimmungen. Es ist immer ein hohes Risiko, ein Wildtier, speziell einen Igel, aufzunehmen und zu pflegen. Hierbei sind ganz spezielle Besonderheiten zu beachten, die nur durch jahrelange Erfahrungen berücksichtigt werden können. Ganz schnell kann ein falsches Vorgehen eine Gefahr für Gesundheit und sogar Leben eines Igels bedeuten.
Erste Hilfe für notleidende Igel
- geeigneten Behälter für den Igel suchen ( z. Bsp. Korb, Kiste...mit zerknülltem Zeitungspapier oder etwas Heu )
- den Igel auf Verletzungen und Parasiten auf der Haut und in den Körperöffnungen untersuchen und ggf. entfernen
- Igel warm halten ( zuerst mit den Händen und später mit einer Wärmflasche )
- etwas zu essen und trinken anbieten ( Wasser und nasses Katzenfutter )
- eine Tierarzt oder eine Igelstation aufsuchen für den Fall, dass eine Antibiotikabehandlung nötig sein sollte ( z. Bsp. bei grün-schleimigem Kot )
Zufütterung im Freien
Igel, die im Spätherbst ( November oder später ) noch im Garten unterwegs sind und ihr Mindestgewicht von 500g für einen sicheren Winterschlaf noch nicht erreicht haben, sollte man helfen indem man etwas zufüttert. Hierzu ist es ratsam, eine speziell angefertigte Kiste mit verwinkeltem Eingang einzusetzen. Diese schützt das Futter vor Regen und natürlich vor anderen Mitfressern ( Katzen, Vögel ). Das Futter sollte täglich erneuert werden.
Eine solche Kiste kann man auch bei Anwesentheit einer Igelmutter mit ihrem Wurf im Garten einsetzen, so daß die Mutter nachts nicht evtl. vorhandene Straßen überqueren muß. Eine solche Kiste kann man mit etwas handwerklichem Geschick leicht nachbauen. Die folgende Skizze soll dazu ein paar Anregungen geben.

Der Deckel des Hauses sollte mit Dachpappe oder altem Tischtuch zwecks besserer Haltbarkeit abgedeckt werden.
Überwinterung von Igeln
Wenn ein Igel, der sich in menschlicher Obhut befindet, nicht das erforderliche Mindestgewicht von 600g für den Winterschlaf erreicht, kann er nicht mehr ausgesetzt werden. Trotzdem muß er die Möglichkeit zum Winterschlaf bekommen. Zu diesem Zweck sollte an einer geschützten Stelle des Gartens ein Freigehege gebaut werden. Dieses sollte "ausbruchsicher" sein. Außerdem sollte es den Witterungsunbilden trotzen und dem Igel einigen Schutz vor Regen bieten. Hierzu genügt ein Holz-Schlafhaus, in das man genug Stroh, Heu, Zeitungspapier ( Küchenrollen ) gibt. Wenn sich der Igel in seinem Winterquartier befindet, wird er weiterhin gefüttert bis er aufhört zu fressen. Danach ist allerdings weiterhin eine regelmäßige Kontrolle des Winterschlafs nötig.
Sollte ein genügend schwerer Igel nicht einschlafen wollen, hilft ein 3-tägiger Futterentzug. Kälte und Futtermangel sind die Auslöser für den Winterschlaf.
Während des Winterschlafs verliert der Igel ca. 25% seines Körpergewichts.
Aufwachen aus dem Winterschlaf
Im April erwacht der Igel aus seinem Winterschlaf - von nun an muß kräftig zugefüttert werden, damit er sein Normalgewicht wieder erreicht. Dabei ist ein Freigehege ratsam, damit er durch das Herumlaufen fit wird.
Aussetzen der Igel
Der Igel kann Ende April bis Mitte Mai bei einem Gewicht von ca. 700g ausgesetzt werden. Die Hecken und Sträucher sollten grün und das natürliche Futterangebot vorhanden sein. Handelt es sich um einen Fundigel aus dem vergangenen Herbst, sollte man ihn wieder an dieser Fundstelle aussetzen, denn hier kennt er sich aus. Ist der Fundort nicht bekannt, sollte man bei der Wahl des Aussetzortes folgende Dinge beachten:
- möglichst weit entfernt von stark befahrenen Straßen oder Baustellen
- steile Hänge, feuchte Gebiete sind ebenso ungeeignet wie
- landwirtschaftliche Monokulturen
Gut geeignet für die Auswilderung sind:
- Bauernhöfe mit alten Scheunen und Obstgärten
- Ortrandbereiche mit Gartenanlagen
- naturnahe Gärten mit alten Büschen und Bäumen
Auch wir sind ständig auf der Suche nach geeigneten Auswilderungsplätzen für unsere Igel, wenn sie nach der Überwinterung erwachen. Viele Haus- oder Gartenbesitzer, die uns einen Igel im Herbst bringen, möchten diesen im Frühjahr wieder in ihre Obhut übernehmen.